Peternschartenkopf Nordwand (V+) Gesäuse

Der späte Schnee in diesem Jahr verschob den Start in die alpine Saison und so waren Luki und ich bereits hungrig endlich wieder in die großen Berge zu kommen. Am Wochenende von Christi Himmelfahrt war perfektes, stabiles Wetter angesagt und so entschieden wir, wiedereinmal ins Gesäuse zu fahren. Unser Plan war es, zwei Nordwände an zwei Tagen zu machen. Da es unter der Woche noch geregnet hatte, wählten wir den Sonntag als ersten Tag um möglichst trockenen Fels vorzufinden. Am ersten Tag wollten wir die Peternschartenkopf Nordwand (V+, 21 Seillängen, Wandhöhe 450m) und am zweiten die Rosskuppenkante (VI+, 21 Seillängen, Wandhöhe 480m) in Angriff nehmen.

Am Sonntag starteten wir relativ gemütlich erst um 7:15 von Graz aus – das Wetter war sehr stabil angesagt, die Tage sind mittlerweile recht lang und wir müssten nach der Route ja „nur“ mehr zur Haindlkarhütte absteigen. Um uns nicht gleich auf den ersten Metern zu verheizen, stiegen wir in gemütlichem Tempo die 1000 Höhenmeter des Höllersteigs auf und waren überrascht, dass wir nur zwei Stunden brauchten. Unser Plan war die ersten Seillängen am laufenden Seil zu klettern um Zeit zu sparen – außerdem kannte ich die ersten sechs Seillängen schon von der Peternschartenkopf Nordostwand, die ich mit Markus vor drei Jahren versuchte.

Diese ersten Seillängen gefallen mir auch dieses Mal wieder sehr gut. Plattiger, koralliger, zum Teil sehr rauer Fels. Eine Stelle gibt es, die ich zweimal ansetzen muss, aber sonst macht die Kletterei richtig Spaß. Mit dem Material geht es sich so gut aus, dass ich erst nach acht Seillängen – unterhalb des schwarzen Risses – Stand mache. Viele Zwischenhaken sind ja nicht vorhanden. Der Riss ist ziemlich trocken und Luki übernimmt die nächsten vier Seillängen. Ab der Schlüsselseillänge (dreizehnte Seillänge) sichern wir klassisch. In der V+ Stelle stecken drei Normal- und ein Klebehaken dicht aneinander und es heißt kurz zupacken – danach geht es leicht ausgesetzt über eine schöne Schuppe und eine kurze fallende Linkstraverse zum Stand.

In der nächsten, vierzehnten Seillänge wählen wir die direkte Variante. Luki bleibt leider zu lange in dem offenen Riss und hat etwas Mühe – weit über dem letzten Haken. Ich steige bei eben diesem nach links in die Platte und tue mir zum Glück leichter. Die nächsten zwei Seillängen sind auch wieder recht schön in tollem, zerfressen Fels. Mittlerweile ist auch schon die Sonne in die Wand gekommen und es wird merklich wärmer. Die Schwierigkeiten sind nun vorbei, wir kommen recht schnell voran und kürzen nach den Traversen das Seil wieder für die letzten zwei Seillängen. Nach fünf Stunden erreichen wir den Ausstieg. Super – also das ist ja gut gegangen.

Vom Ausstieg geht es in wenigen Schritten zur Peternscharte und dann den Peternpfad hinunter. Auf uns warten noch Kletterstellen bis II. Der obere Teil kommt mir heuer recht gutmütig vor, doch leider befinden sich oberhalb des Wasserlochs noch steile Schneefelder, die zum Teil nicht sichtbar unterhöhlt sind. An einer Stelle breche ich trotz größter Vorsicht durch, bekomme das Übergewicht und es geht mit dem Kopf voran talwärts. Zum Glück fange ich mich nach einigen Metern – etwas weiter wäre auch noch ein steinernes Podest gekommen, dass einen Absturz verhindern hätte können. Das ist ja nochmal gut gegangen. Da wir am nächsten Tag die Rosskuppenkante gehen wollen, lassen wir beim Einstieg am Wasserloch die schweren Rucksäcke zurück und steigen mit leichtem Gepäck über den Peternpfad mit sehr mühsamem Mittelteil zur Haindlkarhütte ab.

Fazit: Mir hat die Tour gut gefallen. Die rauen, leichten Platten machten viel Spaß. Der Mittelteil ist durch Gehen über Bänder gekennzeichnet. Luki war nicht ganz so überzeugt, aber das liegt vielleicht auch daran, dass er bedingt durch seine hartnäckige Ellbogengeschichte noch zu keinen Mehrseillängen heuer gekommen ist und erst warm werden musste. Die Wegfindung war kaum ein Problem, vor allem da ich den untersten Teil schon kannte. Ansonsten ist die Routenführung klassisch. Die Absicherung ist sehr spärlich, Haken stecken aber an strategisch guten Punkten und alle Stände sind gebohrt. Schön, so einen Klassiker einmal klettern zu dürfen.

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