Rosskuppenkante (VI+) Gesäuse

Am Vortag waren Luki und ich bereits die Peternschartenkopf Nordwand (V+, 21 Seillängen, Wandhöhe 450m) geklettert. Da wir über den Peternpfad zur Haindlkarhütte abgestiegen waren, deponierten wir unser Material schon am Einstieg der Rosskuppenkante (VI+, 21 Seillängen, Wandhöhe 480m). Nach einer gemütlichen Nacht von Sonntag auf Montag auf der einsamen Haindkarhütte frühstückten wir erst um halb sieben und starteten mit sehr leichtem Gepäck eine Stunde später wieder Richtung Einstieg. Im Aufstieg kommt uns der mühsame Mittelteil des Peternpfads etwas besser vor und so erreichten wir nach gut eineinhalb Stunden den Einstieg. Das Einstiegsband, das knapp unterhalb des Wasserlochs beginnt, bewältigen wir noch seilfrei und finden problemlos den ersten Stand. Unser Plan war es die ersten fünf Seillängen am laufenden Seil zu gehen.

Anfangs geht es noch über leichte Schrofen und kurze Plattenstücke. Die dritte Seillänge fällt mir im Vorstieg gar nicht so leicht und das Gestein erweckt für mich keinen vertrauenswürdigen Eindruck. Auch unser einziger Tiblock ist schon verbraucht. Dieser würde im Falle eines Nachsteigersturzes das Seil sperren, sodass der Vorsteiger nicht nach unten gerissen wird. Also mache ich sicherheitshalber Stand. Ich zweifle zwar nicht an Lukis Kletterkünsten aber am Gestein. Da es sich unserer Meinung nach zeitlich nun kaum mehr auszahlen würde am laufenden Seil weiterzugehen, beschließen wir gleich klassisch zu sichern. Die nächsten Seillängen gehen über teilweise schrofiges Gelände. Der Fels ist nicht überall fest, so dass es sich empfiehlt dem Geschehen kritisch gegenüber zu stehen. Deshalb werde ich erst ab der langen horizontalen IV+ Rechtstraverse (ca. fünfte oder sechste Seillänge je nach Topo) warm und beginne die Route zu schätzen.

Wegen Lukis hartnäckiger Ellbogengeschichte war schon im Vorfeld ausgemacht, dass mir die Schlüsselseillänge (VI+) gehört. Diese beginnt mit dem „8 Meter Wandl“, in dem man sich schon ein wenig mehr anhalten muss. Ich wähle die gut gesicherte linke Variante und steige die Passage durch. Danach kommt dann der „Heinriss“ – eine sehr glatte Rissverschneidung – gar nicht so meins und ich erinnere mich an den überhängenden Kamin der direkten Westwand am Admonter Kaibling. Kurz vorm letzten Bohrhaken ist dann mein Geduldsfaden gerissen und ich erledige den letzten Meter mit Hilfe des Bohrhakens technisch bevor es nach links und zum Stand geht. Luki kämpft sich tapfer auch durch den Heinriss und steigt die ganze Seillänge zu unser beider Freude durch. So – dann wäre die Schlüsselseillänge erledigt. Was soll jetzt noch schiefgehen? Es fehlen ja nur noch dreizehn Seillängen.

Die nächsten Längen sind zum Teil recht steil und teilweise kräftig – in beeindruckendem Ambiente. Zum Teil wirklich sehr ausgesetzt mit viel Luft unterm Hintern – genial. So ausgesetzt hab ich mich in einer alpinen Wand selten gefühlt und das über so lange Zeit. Da waren die Tage im Weißen Streifen sicher gut investiert. Die Kletterei gefällt uns sehr gut, aber nach wie vor gilt es die Henkel, Schuppen, etc. nach ihrer Festigkeit kurz zu überprüfen. Die Absicherung ist sogar besser als im Topo eingezeichnet, fordert aber auch einiges an Eigenengagement. In der ca. zwölften Seillänge heißt es für mich 45m hakenlos gerade hoch und den nächsten Stand finden. Manchmal zweifle ich schon, ob ich eh richtig bin, denn einen Standklebehaken bei meiner Blindheit in diesem Meer aus Stein zu finden kann schon mal schwer werden. Zum Glück ist der Weg jedoch der eindeutigste und wir erreichen den Stadlerquergang.

Nach dem Stadlerquergang wählen wir die direkte Hoi-Variante, die schön zu klettern ist und nach weiteren zwei Seillängen erreichen wir den Sattel. Hier geht ein angenehmes Lüftchen, denn wir klettern schon in der Sonne. Ab hier sind die eigentlichen Schwierigkeiten vorbei. Vielleicht weil wir uns genau das im Vorfeld gedacht haben, oder weil wir schon einige Meter in den letzten zwei Tagen zurückgelegt haben, werden wir nun etwas müde. Die Füße tun auch schon weh. Deshalb bewegen wir uns in den letzten fünf Seillängen sowohl im Vor- als auch Nachstieg nur noch relativ langsam und erreichen nach 7 1/4 Stunden glücklich aber geschafft den Ausstieg. Es tut gut sich einfach hinzusetzen, aus den Schuhen raus zu kommen und in Ruhe essen und trinken zu können.

Aber unser Abenteuer ist noch nicht vorbei, denn es warten noch der sehr lange Abstieg und die Heimfahrt. Der Weg zur Peternscharte ist nochmals etwas nervenaufreibend und es gilt ein steiles Schneefeld sicher zu überqueren. Nach dem gestrigen „Ausrutscher“ überließ ich Luki hier gern den Vortritt. Ein Fehltritt in dieser Passage könnte fatale Folgen haben. Am Wasserloch pausieren wir nochmals und merken, dass wir uns wieder deutlich frischer fühlen – mag vielleicht auch an der geringeren Höhe liegen. Der Mittelteil des Peternpfads ist dieses Mal auch wieder mühsam. Vor allem da wir im Gegensatz zu gestern mit schwerem Gepäck unterwegs sind. Doch wir halten uns nicht allzu lange auf und wählen beim Bachbett gleich den direkten Abstieg – die Hütte auslassend. Gegen Ende werden meine Knie schon ein wenig weich und ich spüre, dass es doch ein paar Höhenmeter waren. Im letzten Licht erreichen wir den Haindlkarparkplatz und 15 Minuten später den Parkplatz beim Höllersteig. Dieses „Ausgehen“ in der Ebene (auf der Bundesstraße) tut aber gut. Es war ein langer Tag und Luki bringt uns noch sicher nachhause.

Fazit: Ich würde meinen, dass die Rosskuppenkante nicht umsonst eine der beliebtesten Routen in den Nordwänden des Gesäuses ist. Steil, ausgesetzt und gar nicht so schwer – einfach genial. Manchmal hat mich die Felsqualität echt verwundert, denn manche Blöcke waren bombenfest, die man auch hätte einfach hinlegen können. Nichtsdestotrotz bewegt sich auch manches – also Vorsicht ist geboten. Die Absicherung ist alpin. In den schwereren Seillängen findet sich aber der eine oder andere Bohrhaken. Also man muss schon klettern und sich um den Weg kümmern. Die Routenfindung ist dank des guten „Xeis-Auslese“-Topos problemlos und die Linie logisch.

Da wir an einem Montag zu Saisonbeginn unterwegs waren, sahen wir nur morgens zwei Wanderer am Peternpfad. Sonst haben wir schon gehört, dass sich auch gleich mehrere Seilschaften in der Wand befinden können. Da dies unsere zweite Tour in Folge war, waren wir sicher nicht die schnellsten, sondern eher gemütlich unterwegs und genossen die Zeit – vor allem in den letzten Längen. Abschließend kann ich nur festhalten, dass diese beiden Tage uns viel Spaß und um einige Erfahrungen reicher machten. Ich bin schon ein wenig stolz, dass wir diese 42 Seillänge inklusive Zu- und Abstiegen durchgezogen haben.

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