Fahrt ins Blaue (VII+) Gesäuse

Zum voraussichtlich letzten Mal heuer fahren Miguel und ich heute ins Gesäuse um eine Felstour zu gehen. Unser Ziel ist die Südwand des Festkogels und die gut abgesicherte Fahrt ins Blaue, da man über die Route wieder abseilen kann. Immerhin sind die Tage schon kurz und der Schnee macht einen Abstieg über den Normalweg unattraktiv. Früh geht es in Graz los und als wir über die Kaiserau fahren, sind wir vom weißen Kleid der Almen etwas überrascht. Am Weg hinunter nach Admont sehen wir die Haller Mauern und auch sie sind ordentlich weiß. Erste Gedanken kommen uns, ob das eine gute Idee war heute nochmal heraufzufahren. Dabei hatte ich großes Vertrauen, dass es möglich sein sollte. Die Inversionswetterlage und der ungetrübte Sonnenschein würde uns heute warme Temperaturen in der Wand bescheren, aber macht uns Plan Sinn?

Als wir ins Johnsbachtal abzweigen, wird der Schnee schon weniger und als wir die Südseiten der beiden Ödsteine sehen, lachen wir auch wieder. Es sieht ungefähr so aus, wie wir es uns vorgestellt haben: Manche Bänder sind schneebedeckt, aber im Großen und Ganzen dominiert der Fels. Also nix wie rauf mit uns. Am unteren Koderboden sehen wir dann zum ersten Mal den Festkogel und uns ist klar, dass die Entscheidung eine richtige war – kaum Schnee in der Wand und keine Wolken am Himmel.

Nach knapp zwei Stunden haben wir den Vorbau erreicht und erklimmen diesen über die Kleehummel (V-) am laufenden Seil. Der Fels ist sehr schön, wasserzerfressen und rau – also eine würdige Overtüre für das, was uns heute erwarten sollte. Nach dem Vorbau kommen die Kletterschuhe wieder in den Rucksack und wir gehen am kurzen Seil (man hätte es auch ganz wegpacken können) über eine Schneeflanke in Spitzkehrenmanier Richtung Südwand. Wir wählen unsere Linie so, dass wir möglichst bald wieder Fels unter den Schuhen haben, traversieren letztlich aufsteigend von rechts kommend zum Einstieg des Steyrerwegs und dann noch über ein schwach ausgeprägtes Band nach links in die erste Seillänge unserer heutigen Route. Der eigentliche Einstieg befindet sich ein paar Meter unter uns im Schnee.

Wir nutzen einen Zwischenbohrhaken als ersten Stand und schon steigt Miguel über wunderschönen Fels dem tiefblauen Himmel entgegen. Diese Route ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Fahrt ins Blaue – zumindest heute. Der Wetterbericht war übrigens richtig und so klettere und sichere ich mit kurzem Leiberl. Es geht kein Wind und die Sonne wärmt mir ordentlich den Rücken. Die zweite Seillänge ist gestuft, aber schön. Die Absicherung ist deutlich besser als im Topo eingezeichnet. Wurde die Route in den letzten Jahren saniert, bzw. besser abgesichert? In der dritten Seillänge kommen wir zum schwersten Teil. Über eine strukturierte Plattenwand geht es genial empor. Nach einer kurzen Traverse nach links heißt es gut steigen. Ich finde eine Griff weit links, schiebe mich über das Bein, stehe auf, dann nochmal auf Reibung und einen kleinen, abschüssigen Tritt ansteigen und schon ist die Schlüsselstelle geschafft. Der Fels ist hier wirklich vom Besten. Bombenfest und sehr rau.

Die fünfte Seillänge ist abermals richtig schön. Wasserzerfressen und gut strukturiert – da kommt Freude auf. Am großen Band darüber liegt soviel Schnee, dass Miguel Stand mit Friends an der Schuppe macht. Erst als er sich ein Podest austritt, sieht er die vom Schnee verdeckten Bohrhaken. Die nächste Seillänge im VI. Grad bietet auch wieder wunderschöne Kletterei. Aufgrund der guten Absicherung und dem festen, gutgriffigen Fels kann man hier ganz sorglos die schönen Meter genießen. Die letzte Seillänge, nochmal VI+, sucht sich die direkte Linie in schon etwas zergliedertem Fels, ist aber nicht minder schön. Den Stand befindet sich etwas versteckt rechts an zwei Klebehaken.

Am Ende der Route angekommen gibt es für uns einen Schluck Tee und eine Kleinigkeit zu essen. Um nicht ins Dunkle zu kommen, lassen wir uns aber nicht viel Zeit und beginnen gleich mit dem Abseilen. Das funktioniert einwandfrei. Obwohl der Schnee deutlich weicher als am Morgen ist, stellt uns das Gelände zwischen Südwand und Vorbau auch im Abstieg vor keine größeren Probleme und schon bald haben wir den Wandfuß nach einer weiteren Abseilfahrt erreicht. Die Sonne hat sich schon um die Ecke verabschiedet. Während wir wir uns nochmals Stärken, genießen wir die abendliche Stimmung in absoluter Einsamkeit. Dann steigen wir ab und kommen schlussendlich beim Auto noch ohne Stirnlampen benutzen zu müssen an…

Fazit: Eine wirklich schöne Tour in bestem Fels durch die Südwand des Festkogels. Die Absicherung ist super und besser als im Topo angegeben – die Friends könnten also zuhause bleiben. Die Route ist auch nicht ernst und manchmal hat man das Gefühl, dass man im Zweifelsfall auch ins leichtere Gelände ausweichen könnte. Die Bewertung würde ich als „modern“ beschreiben. Also genau das richtige für eine Genusstag – oder wenn die Tage kurz sind.

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