Markus Faimann Gedächtnisweg (VII+) Hochschwab

Die Hochschwab Nordseite ist eher eine einsame Gegend. Wenn man auch noch den dreistündigen Zustieg zum oberen Ring auf sich nimmt, dann hat man das Ende der Welt erreicht – so könnte man meinen. Von Graz aus ist der Weg schon recht weit, doch hat man die Anfahrt und den Zustieg erst mal geschafft, findet man im oberen Ring ein äußerst imposantes Amphiteater aus Stein vor. Man befindet sich hier in einem Kessel der an drei Seiten von bis zu 300m hohen, steilen Felswänden begrenzt wird. Ein Entkommen ist also nur durch Rückzug oder Hinaufklettern möglich. Für letzteres gibt es einen einzigen einfachen Weg im Bereich der Wasserfallschlucht im II. Grad. Ansonsten ist es nur Alpinkletterern vorbehalten ohne Umkehr aus diesem Eck des Hochschwabs auszubrechen.

Wir sind heute zu viert unterwegs und wollen durch die Südostwand des Ringkamp. Johannes und ich nehmen uns den Markus Faimann Gedächtnisweg vor. Die erste Seillänge beginnt noch recht moderat. Der Standplatz ist nicht so leicht zu finden – man muss über den brüchig aussehenden Fels und hat Stand unter der steilen Wand. Diese Wand bietet an der linken Seite eine Verschneidung, die ein Weiterkommen ermöglicht und die zweite Seillänge darstellt. Die dritte Seilläge verfolgt einen Riss, der sich richtig gut klettern lässt und Spaß macht. Neben den Normalhaken finden sich auch einige Möglichkeiten mit mobilen Mittel zu sichern, bevor man den Stand unterhalb der schwersten Seillänge erreicht.

Die Schlüsselseillänge führt zuerst noch kurz in einer seichten Verschneidung bis unter einen Überhang. Johannes meistert diesen und die darauffolgende schwierige Stelle super im Onsight. Ich tue mir im Nachstieg etwas leichter, denn ich weiß schon wo die Griffe sind und wie die Stelle zu klettern ist. Zwar nicht mehr ganz so schwer, aber auch nicht geschenkt geht es weiter durch die Plattenwand. Der Fels ist super und die Kletterei sehr technisch. Die fünfte Seillänge verläuft zuerst leicht nach links, dann nach rechts zurück und gerade hinauf. Haken gibt es nur sehr wenige und man muss ordentlich viele Meter machen ohne mögliche Zwischensicherung. Vor allem im oberen Teil ist der Fels genialst wasserzerfressen und auch nicht so schwer, sodass es ein Genuss ist hier sehr frei höhersteigen zu dürfen.

Die nächsten zwei Seillängen führen in etwas leichterem und flacherem Gelände bis unter eine schöne Verschneidung im VI. Grad. Die Absicherung ist dort nicht gerade üppig, doch der Fels ist fest und strukturiert. Diese Länge und auch die nächste gefallen uns gut und schon haben wir die vermeintliche zweite Seillänge im oberen VII. Grad erreicht. Es sieht für uns so aus, als ob die Erstbegeher gemeint hätten, man solle zu Beginn ganz in der überhängenden Verschneidung klettern. Das spricht mich im Vorstieg aber nicht an und so klettere ich etwas links der Haken im weniger steilen, aber dafür leicht brüchigen Gelände hinauf. Trotzdem kann ich alle Haken mühelos einhängen. Auch Johannes wird die Stelle im Nachstieg über links gehen und wir meinen, dass sie circa im VI. Grad angesiedelt ist. Nach der Stelle kommt eine schöne, gutgriffige, teils wasserzerfressene Verschneidung, die man später nach links verlässt und zum Stand unterhalb der letzten Seillänge gelangt.

Diese Seillänge (VII) ist nochmals ordentlich steil und sehr gut abgesichert. Johannes bewältigt diese bravourös – auch als die Linie nach rechts führt und man auf nicht ganz solide aussehendem Fels unterwegs ist. Auf den letzten Metern bange ich dann im Nachstieg schon um den gesamten Durchstieg der Tour von uns beiden, denn ich bin mir bei dem einen oder anderen Zug nicht sicher, ob ich nicht wegen Trittausbruchs aus der Wand fliege. Letztlich meistere auch ich diese Passage sturzfrei. Zu unser aller Freude, kommt auch die zweite Seilschaft genau gleichzeitig am letzte Stand an. So nehmen wir wieder gemeinsam den Schrofenausstieg in Angriff und auch den Abstieg nach Norden über die Edelbodenalm und zurück nach Weichselboden.

Fazit: Sehr schöne Route in einsamer Umgebung und typischem Hochschwabfels. Meist ist die Felsqualität sehr gut und nur an wenigen Stellen muss man behutsam vorgehen. Zu- und Abstieg sind weit, doch wird man mit schöner Kletterei und genialem Panorama belohnt. Die Route ist an den schwierigsten Stellen gut bis sehr gut abgesichert. Dazwischen gibt es aber schon sehr weite Abstände auch. Der VI. Grad sollte sicher geklettert werden können um Spaß zu haben. Mobile Sicherungsmittel lassen sich immer wieder sinnvoll einsetzen.

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