Graue Maus (VII) Rote Wand

Als ich in der Schlüsselseillänge schon etwas über dem Haken stehe und den schönen Riss vor mir sehe, wünsche ich mir ein Klemmgerät herbei, das ich leider nicht mit habe. Hier würde wunderbar ein Friend reinpassen – stattdessen muss ich nochmal auf Reibung antreten und zwei bis drei weitere Züge machen, bis ich den Bohrhaken endlich einhängen kann. Dieser Hakenabstand war schon etwas weiter und hier kommt wieder einmal Gerhard Grabners Einbohrstil durch: Dort wo man mobil gut sichern kann, findet sich kein Haken – dennoch sind die Abstände nicht gefährlich.

Aber beginnen wir am Anfang. Lisa und ich sind heute zur Abwechslung mal im Grazer Bergland unterwegs und wollen einen Sportkletterklassiker angehen – die Graue Maus, die laut Topo etwas aus der Mode gekommen ist. Dabei kann ich das gar nicht verstehen. Die erste Seillänge bietet bereits eine wunderschöne Ouvertüre. Plattenkletterei vom Feinsten mit ein paar Rissen garniert. Am Ende muss man nochmal gut steigen, wenn es nach rechts zum Stand geht. Die zweite Seillänge ist etwas leichter und ebenfalls schön. Die dritte Seillänge im unteren VII. Grad ist einfach super – verdonmäßig geht es hier an genial wasserzerfressenem, löchrigen Fels empor.

Die anschließende Schlüsselseillänge beginnt auch mit steiler Wandkletterei. Die Griffe sind schon etwas abgeklettert. Nach den ersten steilen Metern tut es gut, dass sich die Wand etwas neigt. Doch somit beginnt auch die Steigerei und ich komme zum Riss, den ich zu Beginn erwähnt habe. Ein Friend mittlerer Größe würde hier super passen und die Nerven beruhigen – spielt es in meinem Fall aber nicht. Gegen Ende dieser Seillänge komme ich noch einmal an einer Stelle vorbei, an der man die Absicherung ebenfalls verbessern könnte.

Nach einer etwas leichteren, steilen Seillänge kommen wir zur letzten Herausforderung – wieder im unteren VII. Grad. Lisa übernimmt die sehr plattige Stelle im Vorstieg. Danach wird es etwas strukturierter und auch leichter. Abermals sehr schön. Schlussendlich darf ich die letzten Meter übernehmen und uns aus der Wand, in den Wald und zum Ausstieg führen. Dort freuen wir uns sehr, dass wir abermals alle Seillänge auf Anhieb rotpunkt gemeistert haben.

Fazit: Sehr empfehlenswerte Route in bestem Rote-Wand-Fels. Wunderschöne Platten- und Wandkletterei warten hier. Die Absicherung ist gut und lässt sich an manchen Stellen mit mobilen Sicherungsmitteln ergänzen. An der Bewertung merkt man, dass die Route Anfang der 90er erstbegangen wurde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s