Großglockner (3798m) Glocknerwand Überschreitung und Nordwestgrat (D-)

Nach unserer Begehung der gelben Kante an der kleinen Zinne, fahren Lisa und ich zurück Richtung Osttirol, nach Kals und dann rauf zum Parkplatz beim Lucknerhaus. Ich bin etwas müde und für nichts mehr motiviert außer den Rucksack zu packen. Dass ich bereit für eine frühe Nacht bin, ist heute ein großer Vorteil, denn der Wecker wird um 2:15 läuten…

Zum Frühstück gibt es Kaffee und Kuchen. Eine viertel Stunde später sind wir schon unterwegs und bei weitem nicht die einzigen. Wir gehen zügig, aber in einem Tempo, das uns nicht kaputt macht. Die vielen Höhenmeter in Ailefroide waren ein super Training und so sind wir bereits in 1h21min bei der Stüdlhütte. Diese lassen wir links liegen und peilen den Stüdlgrat an – aufgrund mehrerer Stirnlampen bereits zur frühen Stunde nicht zu verfehlen. Es hilft auch, dass Lisa schon hier war und so kann ich gedankenlos dahingehen. Als wir am Gletscher ankommen, darf ich endlich meine neuen Alusteigeisen ausprobieren und ich kann nur festhalten welch Genuss es ist mit so wenig Gewicht an den Beinen unterwegs zu sein.

Zuerst folgen wir noch den Spuren Richtung Stüdlgrat, doch zweigen wir bald nach links ab. Mein Wille, den kürzesten Weg zu nehmen, wird mir fast zum Verhängnis. Denn so kommen wir in eine Zone mit bedeckten Spalten und spätestens als ich mit einem Bein bis zur Hüfte einbreche und ins schwarze Nichts schaue, bin ich bereit ein paar Meter mehr in Kauf zu nehmen. Wir gehen nun näher in Richtung Wand, wo die Spaltensituation auch deutlich entspannter ist. Beim anschließenden steileren Stück, lassen wir uns vom zerklüfteten Gletscher etwas zu weit nach links abdrängen und enden in einer Sackgasse. Also zurück und abermals näher der Wand aufwärts. Wir sind aber nicht die einzigen, die an diesem Tag erst einen Weg durch das Spaltenlabyrinth finden müssen – wie uns eine andere Seilschaft später erzählt.

Schlussendlich finden wir einen Weg raus aus dem Labyrinth – nochmal vorbei an zwei ordentlichen Spalten – und bald stehen wir oben an der Scharte und legen die Steigeisen ab. Es ist 6:00 und die Sonne geht in wenigen Minuten auf. Mein Plan wäre es gewesen nach diesen 1700Hm des Aufstiegs eine Pause einzulegen und eine Kleinigkeit zu essen, doch ist es kalt, der Wind geht ordentlich und unsere Daunenjacken liegen bewussterweise im Auto. Also beginnen wir gleich mit der Glocknerwand Überschreitung und essen einen Müsliriegel nebenbei. Als die Sonne nach ein paar Minuten um die Ecke kommt, wird es auch gleich deutlich wärmer und wir vermissen die Daunenjacken nicht mehr.

Seilfrei steigen wir zuerst noch im Schutt, bald schon in festem aber technisch leichtem Fels auf und erreichen die Hofmanspitze (3722m) – unseren ersten von elf 3000ern am heutigen Tag. Von hier sehen wir weit vor uns eine Gruppe von Kletterern. Sie müssen entweder höher, oder noch deutlich vor uns gestartet sein. Weiter geht es meist direkt am Grat in leichter Kletterei. Mehrmals müssen wir abseilen und klettern dann auf den nächsten Gratturm wieder rauf.

Als wir die untere Glocknerscharte erreichen, haben wir schon sieben 3000er gemacht und drei zusammengehörende, osttiroler Seilschaften vor uns eingeholt. An der nächsten Abseilstelle lassen sie uns dankenswerterweise an einem ihrer Seile abseilen und schon sind wir vorbei. Im Gegensatz zu ihnen sind wir immer noch seilfrei unterwegs und dadurch deutlich schneller. Wir befinden uns nun bereits am Nordwestgrat des Großglockners. Die Hindernisse am Grat sehen nun etwas wilder und schwieriger aus. Die Probleme lösen sich aber immer recht moderat auf. So auch der riesige Teufelsturm. Er sticht bereits von weitem ins Auge und wir fragten uns mehrmals, ob wir wirklich über diesen drüber müssen. Umso mehr Spaß machte dann die Kletterei und wir konnten es nicht glauben wie cool es ist, hier unterwegs zu sein.

Bei der darauffolgenden Abseilstelle treffen wir eine weitere Seilschaft. Auch sie lassen uns an ihrem Seil abseilen. Direkt im Anschluss packen wir zum ersten und einzigen Mal während der Kletterei das Seil für insgesamt fünf Meter aus. Wir traversieren die Türmchen auf der Nordseite und es sieht nicht alles besonders fest aus. Ein Griffausbruch hätte fatale Folgen, denn ein Absturz in die Nordwand wäre die Konsequenz. Wir meistern die Stelle gesicherterweise und nur kurze Zeit später stehen wir auf dem Glocknerhorn.

Der Großglockner ist zum Greifen nahe. Auf dem Weiterweg treffen wir auf eine kurze Schneeflanke. Obwohl die Sonne schon länger hineinscheint, ist der Schnee noch pickelhart. Als wir wieder auf Fels kommen, sieht man deutlich, dass diesen Teil viele Bergsteiger begehen, die aus diversen Nordwandrouten kommen, denn der Fels ist von Steigeisenspuren übersäht. Wenig später stehen wir dann oben – am höchsten Punkt Österreichs und freuen uns sehr – für mich ist es das erste Mal hier heroben – welch Erlebnis. Wir haben vom Parkplatz beim Lucknerhaus gerade einmal exakt 7 Stunden gebraucht. Nach 15 Minuten am Gipfel und ein paar Fotos beginnen wir mit dem Abstieg über den Normalweg. Es ist einiges los, doch kommen wir seilfrei gut an den anderen vorbei und erreichen 45 Minuten später die Adlersruhe und weitere 2h15min später bzw. 10h15min nach Aufbruch wieder das Auto. Wer hätte das gedacht…

Fazit: Sehr schöne und abwechslungsreiche Überschreitung des höchsten Bergs von Österreich. Wir hatten sehr viel Spaß. Absolut weiterzuempfehlen. Das Panorama lässt auch keine Wünsche offen. Unter anderem am Glocknerleitl macht sich der Klimawandel schon deutlich bemerkbar und es ist für mich traurig zu sehen, wie unsere Gletscher langsam aber sicher dahinschmelzen.

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