Gelbe Kante (VI+) Kleine Zinne

Dieses Wochenende wollen Lisa und ich die Glocknerwand Überschreitung inkl. dem Glockner Nordwestgrat machen, doch ist das Wetter leider nicht stabil. Am Sonntag sieht es besser aus, deshalb wollen wir am Samstag schon etwas in der Gegend machen. Auf dem Weg nach Osttirol fällt mir ein, dass ich die mobilen Sicherungsmittel zuhause vergessen habe, was unsere Routenauswahl etwas einschränkt – der prognostizierte Regen am Samstag Nachmittag übrigens auch. Wir entscheiden uns schlussendlich für die gelbe Kante an der kleinen Zinne. Zum einen ist die Tour nicht besonders lange und sollte sich somit am Vormittag machen lassen, zum anderen haben Markus und Roman sie vor kurzem gemacht und so konnten wir uns vergewissern, dass die Kante auch ohne mobile Sicherungsmittel machbar ist.

Beim ersten Licht stehen wir am Einstieg und sind verwundert, dass wir alleine sind und uns auch niemand folgt, denn immerhin ist die gelbe Kante ein sehr bekannter Klassiker. Noch verblüffender ist, dass wir an diesem Tag auch alleine bleiben sollten – dagegen herrscht später in der Gelben Mauer (IX-) mehr oder weniger Stau und am Abstieg können wir drei Seilschaften ausmachen. Aber kommen wir zurück. Obwohl das Licht noch nicht optimal ist, kann ich es nicht mehr erwarten und steige mit Stirnlampe ein, werde sie aber nach der Hälfte der ersten Seillänge ausschalten können. Diese erste Seillänge ist recht steil und manchmal etwas brüchig. Den einen oder anderen Friend hätte ich schon unterbringen können, aber dass ich die Positionen dafür sehe, bringt mir leider nichts.

Am ersten Stand klettere ich wie abgesprochen vorbei und bald sehe ich, dass auch Lisa unterwegs ist – unser 50m Einfachseil ist also erwartungsgemäß ausgeklettert. In der zweiten Seillänge gilt es einen Rissüberhang zu meistern, der mit alten Normalhaken passabel abgesichert ist. Gar nicht so leicht diese Stelle und stürzen möchte ich auf keinen Fall, denn Lisa klettert gleichzeitig. Daher sehe ich mich immer nach den besten Möglichkeiten um, wie ich auch bei Tritt- oder Griffausbruch nicht aus der Wand fliege. Ganz ohne Zupacken geht es aber nicht und schon stehe ich über dem Überhang und erreiche über leichtes Gelände bald den Stand.

Die nächste, dritte Seillänge, die uns nach rechts um die Kante führt, übernimmt Lisa und der Fels wird gleich deutlich besser und fester. Auf der rechten Seite ist dieser grau statt gelb, gut strukturiert und lässt sich super klettern. So kommen wir zügig voran und erfreuen uns der schönen Route. Trotz der zweifelsohne zahlreichen Begehungen sehen wir kaum Begehungsspuren. Auf der Suche nach dem fotogenen Quergang zweigen wir kurz zu früh ab, finden aber im zweiten Anlauf einen Stock höher das richtige Band.

Die Absicherung ist mehr als ausreichend, sodass wir hier unsere mobilen Sicherungsmittel gar nicht vermissen und auch die Stände sind gut eingerichtet. In der Schlüsselseillänge stecken sogar so viele Haken, dass ich gar nicht alle einhängen könnte, denn sonst würden mir die Expressschlingen ausgehen. Diese Seillänge ist ein richtiger Traum. Sie ist sehr steil und gutgriffig – es macht einfach Spaß dort rauf zu klettern. Nach dem Dach geht es noch kurz gerade weiter und dann links hinaus zu einem Bohrhakenstand. Hier können wir die Ausgesetztheit genießen.

Nach vier weiteren Seillängen erreichen wir den Vorgipfel und gehen am kurzen Seil über Bänder hinüber zum Gipfelaufbau und Normalweg. Der Zsigmondy-Kamin (IV+) ist so unglaublich abgeschmiert, dass er mir fast wie die Schlüsselstelle unserer heutigen Tour vorkommt. Wieviele Bergsteiger schon diese Griffe in den Händen gehalten haben müssen, damit sie so glatt werden. Als wir im Anschluss am Gipfel ankommen, macht sich gerade eine Südtiroler Seilschaft auf den Weg nach unten, sodass wir ganz alleine hier oben sind. Rundherum ist es aber alles andere als still. An der großen Zinne herrscht reges Treiben und vor allem in der Dibona-Kante sieht man eine „Perlenkette“.

Nachdem wir den Ausblick ausgekostet haben, beginnen auch wir mit dem Abseilen – mit 50m Einfachseil funktioniert es problemfrei. Unser Plan ist aufgegangen und um 12:00 sind wir wieder unten – genau als uns erste, vereinzelte Regentropfen treffen. Beim Auto angekommen, gibts noch einen kleines Mittagessen und wir trinken gemütlich Kaffee, bevor wir zurück nach Osttirol und zum Lucknerhaus fahren.

Fazit: Sehr schöne Route, die nicht zu unrecht ein großer Klassiker ist. Bis auf wenige Stellen guter, ausgeputzter Fels und trotzdem halten sich die Begehungsspuren definitiv in Grenzen. Es ist eindrücklich an dieser steilen Kante empor zu klettern und wir hatten eine große Freude mit dem Ambiente. Auch die Aussicht auf die umliegenden Dolomitengipfel hat ihren Charme. Zinnen, wir kommen wieder!

2 Gedanken zu “Gelbe Kante (VI+) Kleine Zinne

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