Col du Glacier Noir (3478m) Couloir Nord (AD+) Ecrins Massiv

Ein weiteres, gangbares Couloir hatten wir während unsere Begehung des Pic Coolidge ausgemacht. Jenes, das auf das Col du Glacier Noir führt. Oben sah es schon sehr dünn aus und der Bergschrund unten stellte uns vor ein Fragezeichen. Es motivierte mich trotzdem und ich konnte Max und Markus überzeugen mich zu begleiten.

Wir stiegen zeitig auf dem Glacier Noir in Richtung Col de Coste Rouge auf. Kurz vor dem Talschluss legten wir die Steigeisen an und stiegen in Richtung Nordwände weiter auf. Vom Abstieg des Pic Coolidge hatten wir Fotos gemacht und so fanden wir zielsicher durch die Spalten. Nur über eine erwartete Brücke konnten wir nicht, sondern stiegen etwas näher zu dem Wänden auf und sahen eine Überquerungsmöglichkeit der Spalte. Wir stiegen in diese mächtige Spalte hinein, über eine verkeilten, riesigen Eisblock auf die andere Seite und an Seitenwand kletterten wir wieder hinauf. Die nächste Spalte konnten wir in weitem Bogen umgehen und standen schon bald am Bergschrund.

Der Bergschrund sah auf dem Zustieg von unterschiedlichen Winkeln immer anders aus. Mal einfach, mal unüberwindbar. Dann meinten wir wieder man könne rechts gut durchkommen, später sah es wieder links besser aus. Direkt davorstehend ergab sich nun eine Lösung für das Problem. Von rechts stiegen wir fast eben in den Bergschrund ein. Abermals fungierte ein verklemmter Eisblock als Brücke und auf der anderen Seite mussten wir ca. 8 Meter in 80-90° steilem, perfekten Schnee hinaufklettern. Im Gegensatz zum letzten Couloir hatte ich beide Eisgeräte mit und spätestens hier waren sie unabdingbar.

Danach lässt die Steilheit sofort nach und wir machten im 45° Gelände schnell, seilfrei Meter. Im oberen Teil war der verbliebene Schnee seit unserer Begehung des Pic Coolidge Ostgrats noch weniger geworden, sodass wir teilweise auf dünnen Eisglasuren unterwegs waren. Gegen Ende hörte dann auch noch das Eis auf und wir stiegen in sehr brüchigem Fels bis zur Scharte auf und wurden von der Sonne begrüßt.

Der Abstieg ist hier glücklicherweise bei weitem nicht so spannend wie jener beim letzten Couloir. Von der Scharte stiegen wir südseitig ca. 30 Meter im übelsten Bruch zu einem großen Block mit vorbereiter Abseilstelle ab und seilten knapp 25m zum Gletscher ab. Diesem folgen wir Richtung Sélé-Tal. Als wir zu einer hohen, plattigen Felsstufe kamen, umgingen wir diese orografisch rechts und kamen noch ohne Felskontakt unter die Westwand der Aiguille de Sialouze. Von hier ist der Weiterweg leicht zu finden und schon bald endet der Gletscher und ein von Steinmännern makierter Weg führt uns an den Sélé-Hütten vorbei zurück zum Campingplatz.

Fazit: Ebenfalls empfehlenswerte Tour, die man vielleicht etwas früher im Jahr machen sollte. Dann erspart man sich den brüchigen, ausgeaperten Übergang von der Nord- auf die Südseite. Es ist immer wieder fantastisch in so einer Kulisse unterwegs zu sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s