Petri Heil (VIII-) Drei Zinnen

Nach sehr erfolgreichen Sportklettertagen im Ötztal geht’s am frühen Montag Nachmittag bei sehr warmen Temperaturen zäh (wie in den Sommerferien fast immer zu erwarten ist) über den Brenner. Es läuft das „Master of Puppets“-Album von Metallica. Als Dani und ich die ersten Dolomitfelsen sehen, schlägt unser Herz gleich höher und wir sind top motiviert. Irgendwann erreichen wir dann Toblach, wo wir beim Bahnhofsstüberl einen Espresso, einen Pfiff und ein gutes Baguette zu uns nehmen. Anschließend kühlt uns noch der Dürrensee (Lago di Landro) im Höhlensteinertal ab, bevor wir die (ganz schön teure) Mautstraße zur Auronzohütte bei den Drei Zinnen nehmen. Die Hütte ist voll, also wird es wohl ein Biwak neben dem Auto. Es wird schon langsam Abend und auf knapp 2500m ist die Luft auch angenehmerweise deutlich kühler, sodass wir schon bald unsere Daunenjacken auspacken. Nach dem kohlehydratreichen, selbstgemachten italienischen Abendessen schmeckt auch noch die Wassermole und schon bald ruft uns der warme Schlafsack – es weht ein Lüftchen und es ist leicht frisch.

Um 4:15 schaue ich auf die Uhr – der Wecker wird sowieso um 4:30 läuten – Dani ist auch schon wach, also stehen wir auf und sehen schon zwei weitere Seilschaften mit Stirnlampen in nächster Nähe. Wir machen noch gemütlich Kaffee und frühstücken – danach brechen wir auf und nehmen den Zinnenrundweg im Uhrzeigersinn. Nach circa einer halben Stunde sehen wir unser heutiges Ziel das erste Mal: die westliche Zinne. Unsere Tour – Petri Heil, VIII- (6c+), 580Hm, 19 Seillängen – startet im östlichen Teil der gelben Nordwand und verfolgt nach sieben Seillängen für weitere zwölf die Nordostkante.

Ich beginne mit der ersten Seillänge – wir sind alleine an diesem Einstieg. Unaufgewärmt und mit noch kalten und klammen Fingern hängt sich das erste Drittel etwas an – es wird dann aber leichter und mir auch zunehmend warm. Die nächsten beiden Seillängen sind von kurzer Dauer und schon haben wir die Schlüsselseillänge erreicht. Sieht cool und nach steiler Kletterei in gelbem Dolomit aus. Dani übernimmt und errreicht unproblematisch den luftigen Stand. Meine Finger sind schon wieder eisig und durch die großen, kühlen Griffe wird es auch nicht besser und ja steil ist es auch – richtig genial. Von gutem Griff zu gutem Griff klettert man durch das steile Gemäuer. Der Fels ist auch bis auf die letzten zwei Meter sehr vertrauenswürdig. Anschließend klettern wir zwei schöne „Verschneidungslängen“, in denen man sich öfters in der Platte daneben als in der Verschneidung selbst bewegt. Der Kamin, der uns an die Nordostkante bringen wird, ist wenig abgesichert und gar nicht leicht – Tritte gibt es wenige und es ist abermals steil und luftig.

Die folgenden beiden Seillängen, die sich die Petri Heil mit der Demuthkante teilt, übernehme geplanterweise beide ich. Als ich kurz vor dem nächsten eigenständigen Stand bin, bricht der Nachsteiger einer Seillschaft in der Demuthkante einen massiven Felsbrocken aus und stürzt dabei sogar. Der Brocken fliegt geradewegs auf Danis ungeschützten Stand zu, schlägt nicht mal zwei Meter über ihm ein und zersplittert in unzählige Teile, von denen kein einziges Dani trifft. Es ist niemandem etwas passiert, aber ein riesiger Schock bleibt bei Dani zurück. Als er bei mir am Stand ankommt, muss ich ihn nur kurz anschauen um zu wissen, dass ich weiterhin die Führung übernehmen werde.

Die nächsten Seillängen sind teils sehr steil, aber griffig, sodass der VII. Grad nicht überschritten wird. Die Absicherung ist für eine Alpintour gut – Bohrhaken gibt es aber wenige. Die meisten Normalhaken sind mit Seilresten verlängert und meist von weitem sichtbar. Das erleichtert die Wegfindung deutlich und auch das Topo ist hilfreich. Selbst, wenn ich gerade nichts sehe, finde ich immer den richtigen Weg. Die Kletterei macht sehr viel Spaß – es ist steil und ausgesetzt. Immerwieder zieht am Stand die Nordwand der großen Zinne meine Aufmerksamkeit auf sich – so brutal steil und über so viele Meter – einfach gewaltig. Nach schönen, oft anhaltenden Seillängen in meist sehr gutem Fels erreichen wir das Ringband.

Noch drei Seillängen sind es bis zum Gipfel. Die Erste beginnt abermals steil über zwei Bäuche gefolgt von einer langen Traverse nach links. Die Zweite hat nur eine Einzelstelle und ist sonst recht leicht. Die Letzte führt noch einmal über wunderschöne, leicht wasserzerfressene Platten und ist ein würdiger Abschluss dieser schönen Tour. Nach wenigen Metern erreichen wir den Gipfel der westlichen Zinne und ein Traum geht für mich in Erfüllung. So lange habe ich mir vorgenommen auf einem dieser markanten Felszacken stehen zu wollen und nun ist es soweit! Das ganze noch über eine anspruchsvolle Route im unteren VIII. Grad und wir sind wiedereinmal beide alle Seillängen durchgestiegen. Welch grandioses I-Tüpferl.

Als Abstieg fungiert der Normalweg (III+), den ich mit Markus einst im Winter probierte. Dieser ist makiert und man kann die schwierigsten Stellen abseilen. Das ich diesen fast gänzlich schon kannte erleichtert die Wegfindung abermals. Etwas mühsam gestaltet der letzte Teil, in dem noch Schnee und Eis zu finden ist. Da der Schnee aber weich ist, kommen wir auch hier problemfrei durch und erreichen leicht müde wieder den Zinnenrundweg und kurze Zeit später das Auto.

Fazit: Sehr empfehlenswerte, neue Tour an der westlichen Zinne. Der Fels ist meist sehr gut und die Absicherung passabel. Die Schlüsselseillänge ist sehr gut abgesichert und immer dort wo es wirklich schwer ist findet sich ein (Bohr-)Haken. Dennoch müssen auch weite Strecken frei geklettert werden und VII-/VII sollte man schon draufhaben um Freude an der Tour zu haben. Durch die verlängerten Normalhaken ist die Wegfindung auch meist leicht. Am Gipfel angekommen ist der Rundblick atemberaubend, aber der Tag noch nicht vorbei, denn der Abstieg erfordert nochmals volle Konzentration.

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