Dachl Nordwestwand (VII+) Gesäuse

Nach schönen alpinen Sportklettereien zuhause, im Dachstein Massiv, sowie auswärts in Verdon und Ailefroide neigt sich der Sommer nun wohl zu Ende und der September wartet mit kühlerem und momentan stabilerem Wetter auf. Dieses möchte ich noch einmal nutzen, um dem Gesäuse den vielleicht letzten Besuch heuer abzustatten. Also steigen Paul und ich Montagabend beim letzten Licht zur Haindlkarhütte auf, denn die Tage sind schon merklich kürzer. Wir wollen die Dachl Nordwestwand (525 hm ohne Vorbau, VII+) machen – eine lange Tour, die sanft saniert wurde und sicheres Klettern im sechsten Grad voraussetzt.

Am nächsten Morgen stehen wir zeitig auf, frühstücken und erreichen recht schnell den Dachlvorbau und unseren Einstieg am tiefsten Punkt – dort wo der Peternpfad in die Geröllrinne führt. Wir steigen etwas von rechts über eine leichte Rampe in den Vorbau ein und links aufwärts in Richtung „Riss“. Als der Fels brüchig und nass wird, helfen uns willkommene Fixseile weiter und schon bald haben wir den ersten steileren Teil gemeistert. Anschließend geht es über Schrofen und ausgewaschene Rinnen unproblematisch zum Hahnenkamm und zum eigentlichen Einstieg der Dachl Nordwestwand.

So fest der letzte Teil des Vorbaus war, so brüchig sind die ersten zwei Seillängen. Hier gilt es wirklich vorsichtig zu klettern und ganz genau die nächsten Tritte und Griffe auf ihre Festigkeit zu überprüfen. Die dritte Seillänge ist bereits ganz anders und geht nach einer Traverse in super Fels über. Die vierte Seillänge ist abermals heikel – zwar meist fest, mit schönem, teils koralligem Fels aber weit abgesichert und anspruchsvoll. Da kommt uns die erste VII- Stelle gleich gar nicht mehr so tragisch vor – mit einem Bohrhaken genau in der schwersten Stelle und super Fels. Nach einer leichteren, dafür nur mit einem Bohrhaken abgesicherten Seillänge im fünften Grad nutzen wir das gemütliche Platzerl am großen Absatz um zu jausnen und genießen die Aussicht.

Paul übernimmt die anschließende Seillänge, in der eine 6er Stelle schon etwas über zwei Normalhaken und fernab des einzigen Bohrhakens der Seillänge nicht zusätzlich absicherbar ist. Hier heißt es einfach durchbeißen und darüberklettern. In der nächsten Seillänge lässt sich der Hauptriss zu Beginn recht gut zusätzlich absichern und danach geht’s abermals durch wasserzerfressenes Gestein zum Stand unter der Schlüssellänge. Diese onsightet Paul, doch als ich an der Crux ankomme, glaube ich nicht, dass ich seine Lösung schaffe und muss mir mit zunehmendem Pump eine eigene suchen. Dies gelingt mir letztlich und schon bald habe auch ich sturzfrei den Stand erreicht.

In der neunten Seillänge wartet eine geniale, steile Piazschuppe. Am Abschlussdach dieser Seillänge muss ich zuerst die Griffe darüber suchen, aber nach einigem hin-und-her, rauf-und-runter sind sie gefunden und auch diese Seillänge ist geschafft. Nach zwei 5er-Längen ohne jegliche Absicherung stehen wir am unteren Ringband. Den Seitelbergerausstieg kenne ich schon von meiner Begehung der Dachlkante. Auch dieses Mal sind wir von der Piazschuppe begeistert. Die beiden Seillänge bilden einen schönen Abschluss der schwierigen Kletterei und binnen Kürze haben wir auch den Schluchtausstieg hinter uns gelassen. Wir freuen uns, dass wir diese Wand gemacht haben und noch dazu beide alle Seillängen durchgestiegen sind – einfach genial! Als Abstieg wählen wir den Peternpfad und kehren noch schnell auf der Haindlkarhütte für ein wohlverdientes Durchstiegsbier ein! 😉

Fazit: Eine weitere schöne Tour durch eine imposante Wand. Der Vorbau war durch die teilweisen Versicherung problemfrei und den Hahnenkamm haben wir gleich gefunden. Die ersten beiden Seillängen sind recht brüchig und Vorsicht ist geboten. Danach wird es viel besser und schon bald klettert man auf bombenfestem, bestem Kalk. Die Absicherung ist anspruchsvoll, denn (Bohr-)Haken gibt es nicht so viele. Der sechste Grad sollte sicher geklettert werden können, auch wenn gerade kein Haken in der Nähe ist. Trotzdem stecken die Haken strategisch gut und an vielen Stellen lassen sich auch mobile Sicherungsmittel gut einsetzen. Wir hatten neben Klemmkeilen einen ganzen Satz Camalots (0.3″-3″) dabei und haben jeden irgendwann auch mal untergebracht.

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