Festkogelturm Nordwand Z (V-) Gesäuse

Um 5:15 starten Johannes und ich von Graz. Bis gerade eben waren unsere Pläne noch offen, da die Wettervorhersage am Vortag nicht so eindeutig wie gewünscht war. Aber jetzt ist es klar: es geht wieder ins Gesäuse und wir wollen das „Nordwand Z“ am Festkogelturm machen. Erstbegangen 1932 (Poppinger u. Pfiel), ist die ca. 580m hohe Tour (inkl Vorbau) auch heute noch frei von Bohrhaken und es gibt nur wenige Normalhaken (NH).

Wir kommen am Zustieg an der Haindlkarhütte vorbei, nehmen dann den Weg zur „Jahn/Zimmer“ und steigen gerade hoch als sich dieser nach links in Richtung Latschen wendet. Am Beginn des Vorbaus legen wir schon den Gurt an und hängen uns Hammer und ein paar NH drauf – nur für den Fall der Fälle – denn am 230m hohen Vorbau (bis III) gibt es laut Topo keine Haken. Wir suchen uns noch seilfrei den besten Weg und kommen bald an einem Steinmann und etwas später an zwei NH vorbei. Eine Steilstufe umgehen wir rechts und packen dann für 25m das Seil aus um eine Plattentraverse zu sichern. Das Material am Gurt hat sich schon ausgezahlt, denn als Sicherung fungieren von uns geschlagene NH. Anschließend kommt das Seil wieder in den Rucksack und wir erreichen zielsicher die beschriebene Gedenktafel (Toni Kern, nicht Kurz) und somit den Einstieg. Dort richten wir den ersten Stand ein und legen das restliche Material an. Dieser erweiterte Zustieg führte uns durch teils brüchiges Gestein, ist aber nie besonders schwer.

Johannes steigt vor und erreicht nach 15m zwei NH an der linken Kante. Dies muss dann wohl der eigentliche erste Stand der Tour sein und wir nutzen ihn um mit den Seillängen richtig zu sein. Die anschließende, erste Seillänge ist weiterhin recht brüchig und es stehen gefährliche Blöcke auf Bändern. Auch die halbe zweite Seillänge ist nicht besser – der Fels wirkt oft nur gesteckt, nicht vertrauenswürdig und ist sicherungsfeindlich. Hier denken wir uns schon: was für eine Tour haben wir denn dieses Mal ausgesucht. Aber nach diesen eineinhalb Seillängen wird es plötzlich kompakter, fester und sicherungsfreundlicher.

Ab der Verschneidung in der vierten Seillänge macht die Kletterei auch wieder richtig Spaß. Schöne Kletterstellen, fester, solider Fels und Friends bzw. Klemmkeile lassen sich gut einsetzten. Nach einem recht steilen, teils engen Kamin erreichen wir die Riesenverschneidung. Richtig cool und mit einem genialen parallelen Riss wie man ihn nur selten im Kalk findet. Der Fels ist zwar leicht flechtig, das stört aber kaum.

Nach weiteren zwei Seillängen, in denen einmal ein weiterer, ziemlich enger Kamin überwunden werden muss, wird der Fels noch einmal besser. Richtig gesäusetypischer, wasserzerfressener, bombenfester Kalk wie man ihn aus der Planspitze Nordwestwand oder Rosskuppenkante kennt. Einfach genial und genussreich. Die Plattentraversen der Ausstiegslängen stellen uns vor keine großen Schwierigkeiten und wir genießen die teils ausgesetzte, schöne Kletterei bevor wir den Ausstieg erreichen. Als Abstieg nehmen wir den Normalabstieg vom Festkogel, den man vom Festkogelturm nach ein paar Metern in westlicher Richtung erreicht. Wenige hundert Meter vorm Kölblwirt beginnt es dann zu nieseln und wir sputen uns; laufen letztlich im an Intensität gewinnenden Regen und als wir das Gasthaus erreichen, bricht ein Guss los, dass wir froh sind uns beeilt zu haben. Diesen Tag haben wir gut ausgenützt, würde ich meinen.

Fazit: Für mich bleibt der Eindruck einer lohnenden Tour deren Zustieg und Einstiegslängen nicht immer soliden Fels aufwiesen. Nach obenhin wird der Fels aber immer besser und man kommt in doch unwahrscheinlich „leichter“ Kletterei durch eine imposante Wand. Die vorhandene Absicherung war für uns ausreichend und alle Stände bis auf den ersten waren grundsolide an guten vorhandenen NH, Köpfeln oder selbst geschlagenen Haken. Es gibt nur wenige vorhandene Zwischenhaken, diese stecken aber strategisch gut. Trotz des Mangels an Orientierungshaken war die Wegfindung für uns unproblematisch. Die Mitnahme eines kleines Hakensortiments – vor allem für den Standplatzbau – kann ich nur anraten, denn ich alleine nutzte neun NH an meinen Ständen und mit mobilen Sicherungsmitteln wäre es fast nicht gegangen.

Wir waren heute den ganzen Tag unglaublich abgechillt unterwegs und uns brachte nichts aus der Ruhe. Die Schwierigkeiten waren für uns nicht all zu hoch und nach der Dachlkante war klar, dass wir auch das „Nordwand Z“ schaffen sollten. Schon am Abstieg meinte Johannes, dass wir das nächste Mal wieder etwas Schwereres gehen müssen! 😉

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