Flora (VI+) Gesäuse

Es ist 6.00 Sonntagmorgen und wir starten vom Kölblwirt in Johnsbach los. Ganz sind wir uns noch nicht sicher, ob wir ganz trockene Verhältnisse vorfinden. Zwar sind wir gestern Abend schon angereist um einen Einblick in die Wände zu bekommen, die Wolken sind aber so tief gehangen, dass wir eigentlich gar nichts gesehen haben. Nur die Zinödl Nordwand im Bereich des Wasserfalls und die war nass. Der Zustieg geht gut und schon bald sehen wir den trockenen Festkogel – eine Tour werden wir dort aber nicht gehen, denn zwischen Vorbau und Südwestwand liegt noch richtig viel Schnee. Also rüber zum kleinen Ödstein und zur Flora (VI+, 19 Sl, 500 Hm).

Die letzte knappe halbe Stunde des Zustiegs verläuft über Schnee und der ist an der Basis des kleinen Ödsteins noch so hoch, dass wir irgendwo in der zweiten Seillänge einsteigen würden. Da wir aber gar nicht nach der Route suchen, sondern eher nach einer Möglichkeit die Randkluft gut zu überwinden, steigen wir etwas weiter rechts ein – noch seilfrei und mit Bergschuhen und klettern so bis zum dritten Stand. Hier packen wir das Material aus und los geht’s. Zwar ist der untere Teil der Südwand des kleinen Ödsteins sehr rasendurchsetzt, die Linien suchen sich aber die schönen Platten und Wasserrillen. Sehr schön zu klettern – der Fels ist rau und fest.

Nach der Abzweigung vom Waidhofnerweg kommen die zwei Seillängen, von denen ich schon Bilder im Topo gesehen habe. Wie von einem anderen Planeten steigt man in sehr tiefen Wasserrunsen hoch. Viele Zangengriffe, die an Sinterklettern erinnern. Einfach genial und so unglaublich rau – da kommt Freude auf. Danach geht’s weiter nach links und wir zweigen mit einer langen, abermals schönen, aufsteigenden Traverse von der Südostschulter ab.

Gegen Ende hin wird die Kletterei steiler und schwieriger. Johannes übernimmt souverän die Schlüsselseillänge, die mit 3 Klebehaken auf 45 Meter – so wie der Rest der Tour – nicht gerade übersichert ist. Als ich am Stand ankomme und die lange, plattige Rechtstraverse sehe, entscheide ich mich den direkten Ausstieg (VII+) zu versuchen. Es bleibt bei einem Versuch und beim ersten Haken, der auch schon weit genug vom Stand weg ist, drehe ich um. Also doch die Traverse. Diese löst sich aber wesentlich besser auf, als sie vom Stand aus aussieht und so stehen wir kurze Zeit später am Gipfel des kleinen Ödsteins.

Das Wetter war untertags teils neblig, wolkig, sonnig, aber jetzt hat es aufgemacht und es ist strahlend blau – was will man mehr? Als Abstieg wählen wir den Kirchengrat, den wir in 2 1/2 Stunden bewältigen – vor allem, weil wir im unteren Teil das Bier schon sehr deutlich nach uns rufen hören und es nicht zu lange auf uns warten lassen wollen! 😉

Fazit: Eine sehr empfehlenswerte Tour mit spärlicher Absicherung. Der Fels ist ausgezeichnet und unglaublich wasserzerfressen. Die Seillängen sind oft 45m lang und wenn ich mich recht erinnere gibt es genau zwei, in denen drei Klebehaken stecken – sonst weniger. Wir hatten vier Camalots dabei und nutzten 0.5″ und 1″ mehrfach – auch einige Sanduhren zum selber fädeln gibt es.

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